Regionalstatistik
Kantone und Städte im Statistiksystem Schweiz
Charakterisierung des Statistiksystems Schweiz auf regionaler Ebene
Die KORSTAT: Strukturen und Aufgaben
Dem
föderalistischen System unseres Staates entsprechend hat sich die Funktion der Statistik in heterogener
Weise entwickelt. In Abhängigkeit von den Bedürfnissen und in Kenntnis der Wichtigkeit statistischer
Instrumente für die Entscheidungsfindung haben Kantone und Städte im Lauf der letzten 150 Jahre statistische
Ämter geschaffen und ausgestattet, um die Lücken einer schweizerischen Statistik zu überwinden, die
Mühe bekundete, innerhalb der eidgenössischen Verwaltung ihren Platz zu finden.
Auch nach der Gründung des 1860 institutionalisierten Bundesamtes für Statistik (BFS) - mit Nachdruck gefordert von Bundesrat Stefano Franscini, der dessen Realisierung nicht mehr erlebte - hat die Weiterentwicklung der regionalen Statistik kein Ende gefunden, unter anderem auch weil die Optik des Bundes nicht immer die Bedürfnisse von Kantonen und Städten berücksichtigt oder berücksichtigen muss.
Auch nach der Gründung des 1860 institutionalisierten Bundesamtes für Statistik (BFS) - mit Nachdruck gefordert von Bundesrat Stefano Franscini, der dessen Realisierung nicht mehr erlebte - hat die Weiterentwicklung der regionalen Statistik kein Ende gefunden, unter anderem auch weil die Optik des Bundes nicht immer die Bedürfnisse von Kantonen und Städten berücksichtigt oder berücksichtigen muss.
Wie
sind die Beziehungen zwischen diesen regionalen Strukturen und dem Bundesamt für Statistik beschaffen?
Ergänzen sich Bundes- und Regionalstatistik? Welche Synergien sind möglich? Nachfolgend sei die Organisation
des schweizerischen Statistiksystems aus regionaler Optik dargelegt, eine alles andere als einfache
Organisation, die die Heterogenität der Ausgangslagen, die Vielfalt der politischen Konzepte im Bereich
Statistik und die unterschiedlichen Kräfteverhältnisse berücksichtigen muss.
Charakterisierung des Statistiksystems Schweiz auf regionaler Ebene
Das derzeitige schweizerische Statistiksystem ist auf regionalem Niveau das Resultat eines langen historischen Prozesses, so alt wie die Geschichte des Bundesstaates, von der er nicht losgelöst denkbar ist. Es waren die städtischen Regionen, die als erste die Notwendigkeit zum Ausdruck brachten, die statistischen Aktivitäten zu institutionalisieren. Das erste regionale statistische Amt war jenes des Kantons Zürich, gegründet 1871, also fast gleichzeitig mit dem Bundesamt für Statistik, gefolgt von Aargau (1886) und der Stadt Zürich (1893). In der romanischen Schweiz gehören die statistischen Ämter der Kantone Freiburg (1895) und Genf (1896) zu den "Veteranen" regionaler Statistikstellen, die bereits im 19. Jahrhundert entstanden sind. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg oder unmittelbar zu dessen Beginn wurden statistische Ämter in den Kantonen Basel-Stadt (1902), Tessin (1929) und Luzern (1939) sowie in den Städten Bern (1917), Biel (1928) und St. Gallen (1938) ins Leben gerufen.
Die meisten statistischen Ämter jedoch entstanden erst in der Nachkriegszeit, in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs, Jahren mit starker Einwanderung und allen Auswirkungen dieser Zuströme auf Bildung, Wohnungsmarkt, Raumplanung, Gesundheitspolitik usw. Diese Entwicklungen galt es aufmerksam zu verfolgen, auch mit statistischen, der lokalen Realität Rechnung tragenden Instrumenten.
Nicht alle Kantone hatten indessen die Möglichkeit, Organisationsstrukturen
zur Bewältigung statistischer Anforderungen aufzubauen. Acht Kantone oder Halbkantone verfügen noch
heute über keine spezialisierten Organisationseinheiten für die Durchführung eidgenössischer und kantonaler
statistischer Erhebungen, für die Analyse und die Verbreitung statistischer Informationen. Diese Aufgaben
sind an die Departemente delegiert, die ihrerseits, in Abhängigkeit vom jeweiligen Fachgebiet, einzelne
Verwaltungseinheiten mit statistischen Aufgaben beauftragen. Dieses ohne Zweifel kulturell bedingte
Phänomen ist hauptsächlich auf die Zentralschweiz konzentriert, wo nur der Kanton Luzern eine spezialisierte
Statistikstelle führt.
Heute sind in 17 von 26 Kantonen Strukturen institutionalisiert (Ämter, Dienste, Abteilungen), deren Kernaufgabe die öffentliche Statistik darstellt. Diesen fügen sich 8 städtische Statistikstellen an. Zusammen bieten diese regionalen Statistikstellen ein beachtliches Potenzial an Spezialisten im Dienste der öffentlichen Statistik.
Die komplexe Entstehungsgeschichte regionaler Strukturen mit nicht immer identischen Zielsetzungen, stark abweichenden Grössenverhältnissen, heterogenen Strategien und zuweilen miteinander in Konkurrenz stehend - ein typisches Phänomen eines stark dezentralisierten Landes - führte jedoch zu einem schweizerischen statistischen System auf regionaler Ebene mit einem grossen Verbesserungspotenzial hinsichtlich Koordination und Effizienz. Neben der unterschiedlichen Arbeitsweise - die regionalen Ämter wickeln ihre Tätigkeiten mit je eigenen Methoden und Instrumenten ab - blieben die regionalen Strukturen ungenügend organisiert, um gegenüber der Bundesstatistik als echter Partner auftreten zu können.
Heute sind in 17 von 26 Kantonen Strukturen institutionalisiert (Ämter, Dienste, Abteilungen), deren Kernaufgabe die öffentliche Statistik darstellt. Diesen fügen sich 8 städtische Statistikstellen an. Zusammen bieten diese regionalen Statistikstellen ein beachtliches Potenzial an Spezialisten im Dienste der öffentlichen Statistik.
Die komplexe Entstehungsgeschichte regionaler Strukturen mit nicht immer identischen Zielsetzungen, stark abweichenden Grössenverhältnissen, heterogenen Strategien und zuweilen miteinander in Konkurrenz stehend - ein typisches Phänomen eines stark dezentralisierten Landes - führte jedoch zu einem schweizerischen statistischen System auf regionaler Ebene mit einem grossen Verbesserungspotenzial hinsichtlich Koordination und Effizienz. Neben der unterschiedlichen Arbeitsweise - die regionalen Ämter wickeln ihre Tätigkeiten mit je eigenen Methoden und Instrumenten ab - blieben die regionalen Strukturen ungenügend organisiert, um gegenüber der Bundesstatistik als echter Partner auftreten zu können.
Die Erkenntnis
der Notwendigkeit, sich in adäquaten Strukturen zu organisieren, entstand gegen Ende der Siebzigerjahre,
und die Strukturen wurden im Laufe der letzten fast dreissig Jahre permanent verbessert. Diese drei
Jahrzehnte waren geprägt durch eine fundamentale Umwandlung der Bundesstatistik, nicht zuletzt beeinflusst
durch das 1993 eingeführte Bundesstatistikgesetz. Es waren die französisch- und italienischsprachigen
Kantone, die 1979 in Lugano mit der Gründung der Gruppe der regionalen statistischen Ämter der Romandie
und des Tessins (GORT) die ersten Schritte zur Zusammenarbeit wagten. Einige Jahre später gründeten
auch die deutschschweizerischen regionalen statistischen Ämter eine solche Gruppierung (DRSA). Während
vieler Jahre bemühten sich diese beiden Gruppen - in Kooperation mit dem BFS -, ihre Aktivität zu koordinieren
und in Verhandlungen mit dem Bundesamt der regionalen Dimension der statistischen Information Nachachtung
zu verschaffen.
Die Konferenz der regionalen statistischen Ämter KORSTAT/CORSTAT: Strukturen und Aufgaben
Mit dem Inkrafttreten des Bundesstatistikgesetzes und der Schaffung neuer Strukturen zur Koordination des gesamten schweizerischen Statistiksystems wurde die Notwendigkeit erkannt, die beiden sprachlich getrennten Gruppen unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen, realisiert durch die Gründung der Konferenz der regionalen statistischen Ämter der Schweiz KORSTAT im Jahre 1999. Die beiden Hauptziele der KORSTAT sind:
- Mitwirkung an der Realisierung des Statistiksystems Schweiz
- Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Regionen.
Die Umsetzung dieser Ziele impliziert die Unverzichtbarkeit
des Einbezugs der regionalen statistischen Ämter in zahlreichen Gremien, Kommissionen und Arbeitsgruppen.
Die Zusammenarbeit mit der Bundesstatistik wird auf drei Ebenen garantiert:
- in ständigen Gremien, in denen der Einbezug regionaler Vertreter als Experten in ständigen Kommissionen und in thematischen Arbeitsgruppen erfolgt
- in Begleitgruppen zur Vertiefung besonderer Fragestellungen oder laufender eidgenössischer Erhebungen wie der eidg. Volkszählung;
- in anderen Arbeitsgruppen, in denen ganz spezifische Aspekte der öffentlichen Statistik entwickelt werden.